Blutentnahmen
In unserer Praxis führen wir Blutentnahmen sehr bewusst und nur dann durch, wenn sie medizinisch notwendig sind. Kinder und Jugendliche sollen vor unnötigen Eingriffen geschützt werden – ohne Kompromisse bei der diagnostischen Sicherheit.
Was gehört in Deutschland zur regulären Vorsorge?
Die offiziellen U- und J-Untersuchungen sehen bis zum 18. vollendeten Lebensjahr keine routinemäßigen Blutentnahmen vor. Vorgesehen sind:
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Entwicklungs- und Organscreenings (z. B. Sehen, Hören)
- einzelne Untersuchungen im Säuglingsalter wie das erweiterte Neugeborenen-Screening
- sowie eine Urinuntersuchung im Rahmen der U8
Daraus folgt: Blutentnahmen sind im Kindes- und Jugendalter kein Bestandteil der regulären Vorsorge.
Wann ist eine Blutuntersuchung sinnvoll?
Eine Laboruntersuchung erfolgt nur, wenn es aus medizinischer Sicht dafür eine klare Begründung gibt – also dann, wenn Anamnese, körperlicher Befund oder definierte Risikokonstellationen eine gezielte Abklärung erforderlich machen.
Anlasslose Routine-Labore gehören nicht zu einer modernen, kindgerechten und evidenzbasierten Pädiatrie.
Müdigkeit bei Jugendlichen
Müdigkeit im Jugendalter ist häufig – und die Laborwerte sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle unauffällig.
Wenn keine Warnhinweise bestehen, ist eine Blutentnahme normalerweise nicht notwendig. Zunächst geht es um Schlaf, Belastung, Medienverhalten, Alltag – und nicht um sofortige Diagnostik.
Selbstverständlich klären wir ab, wenn der klinische Eindruck es nahelegt.
Vitamin D
Für gesunde Kinder und Jugendliche wird keine routinemäßige Vitamin-D-Bestimmung empfohlen.
Bei nachvollziehbarer Sorge um eine unzureichende Versorgung – etwa in Monaten mit wenig Sonnenlicht oder bei kaum Aufenthalt im Freien – kann eine zeitlich begrenzte, moderate Supplementation (z. B. 1 000 I.E. täglich) erwogen werden – auch ohne vorherige Blutentnahme.
Wenn konkrete Hinweise auf eine Erkrankung bestehen, erfolgt selbstverständlich eine gezielte Diagnostik.
Unser Grundprinzip
Unsere Arbeit orientiert sich an einem fachlichen Leitgedanken, den die Medizin als „masterly inactivity“ bzw. „Kunst des Unterlassens“ beschreibt:
Eine Untersuchung nur dann durchzuführen, wenn sie wirklich notwendig ist – und bewusst darauf zu verzichten, wenn sie keinen zusätzlichen Nutzen bringt.
Zurückhaltung ist dabei kein Zögern, sondern Ausdruck professioneller Sorgfalt und Verantwortung.
Informationen für Fachkolleg:innen (KJP, SPZ, Kliniken)
Für Kinder- und Jugendpsychiater:innen, SPZ und andere Fachbereiche steht ein Dokument bereit, das unser Vorgehen zu Labor und EKG im Zusammenhang mit ADHS-Medikation erläutert:
→ PDF: ADHS-Diagnostik – Labor/EKG-Indikation (Download)
Informationen für Operateure (HNO, Zahnärzt:innen, Chirurgie)
Auch im operativen Bereich werden gelegentlich „Routine-Labore“ angefragt. Dafür stellen wir ein separates Dokument zur Verfügung, das die aktuelle Evidenzlage und unser Vorgehen zusammenfasst.
→ PDF: Präoperative Labordiagnostik im Kindesalter (Download)
